Ameisen und Algorithmen, Lichter, Wunder und Weihnachten

Dezember 20, 2025 in Essay

von Eva Scheller

Es gibt keine Zufälle. Alles ist vorherbestimmt. Ein Rechenzentrum von der Größe eines Planeten könnte es beweisen, erzählt mir eine Netzwerkkollegin über die Beschäftigung eines Freundes, der dem Determinismus anhängt oder ihm anhängen möchte oder darüber nachdenkt, ob es Sinn machen könnte, ihm anzuhängen.

Die Entscheidung ist schon gefallen, nur kennt er sie noch nicht, weil Computern bislang die erforderliche Kapazität fehlt, seine Entscheidung zu berechnen.

Dass du diese Zeilen liest, die ich vor ein paar Tagen geschrieben habe, dass du in einem bestimmten Moment in dein Postfach schaust, um irgendetwas zu lesen, dabei ein Wort findest oder eine Zeile und heil wirst, weil dein Geist sich entspannt, deine Sorge aus dem Fenster fliegt, weil dein Herz sich öffnen, deine Trauer fließen kann, auch das ist vorherbestimmt.

Oder vielleicht doch nicht?

Wenn sich im ganzen Universum nicht ein Atom bewegen kann, ohne dass alle anderen sich mitbewegen: wie sollte dies unermessliche Ballett erfassbar sein? Wie soll erfassbar sein, dass ich, auf dem Weg zur Gartenpforte, um in mein Auto zu steigen, innehalte, weil eine Ameise meinen Weg kreuzt und etwas durch die Gegend zerrt, was viel zu sperrig ist für ihren kleinen Leib, wodurch sie meine Aufmerksamkeit fesselt und meinen geraden Weg von A nach B durchkreuzt.

Eine Ameise mit ihren Kräften ist ein Wunder.

Berechnet der Computer das Auftreten von Wundern? Weiß der Computer, was ein Wunder ist?

Caroline Myss definiert Wunder als den Moment, in dem Gott die Gesetze des Universums für einen Einzelfall außer Kraft setzt.

Kann der groß genug gedachte Computer auch Gottes Entscheidung für ein Wunder berechnen?

Der Mensch möchte so gerne alles unter Kontrolle haben. Immer und unter allen Umständen. Weil das menschliche Gehirn die Komplexität des Kosmos nicht denken kann, will der Mensch sich mit dem Computer behelfen, der alles vorhersagen kann. `

Ist der Computer in Wirklichkeit der bessere Mensch?

Wäre das Jahr 2025 besser verlaufen, wenn ein Computer gewusst hätte, was wir tun?

In meinem Umfeld bin ich eine von vielen, für die 2025 schwierig, anstrengend, herausfordernd war. Wie im Schleudergang einer Waschmaschine. Nachdem in einem intensiven Reinigungsprozess ein Haufen altes Zeugs herausgelöst wurde, entsorgt die Zentrifugalkraft alles, was nicht mehr zu uns passt.

Die Astrologie erklärt diesen Prozess als Anfangsphase eines neuen Zeitalter. Das Erdzeitalter endete im Dezember 2020. Es stand für Materialismus, lineare Entwicklungen, Konsumgesellschaft, fossile Brennstoffe, Konfliktlösungen durch Machtausübung und Krieg.

Dass diese Zeit nach über 200 Jahren ihr Ende fand, bedeutet nicht, sie wäre schon vorbei. Stichwort: Übergang. An allen Ecken und Ende finden wir Menschen, die dem Gedankengut und den Konfliktlösungsstrategien des 20. Jahrhunderts anhängen. Statt neue Gewänder anzuprobieren, holen sie wieder ihre alten Lumpen aus dem Keller.

Nun herrscht das Luftzeitalter. Wenn es endet, bin ich bereits 100 Jahre tot. Doch in den nächsten Jahrzehnten bestehen auch für mich Aussichten auf radikale Veränderung: sozialer und spiritueller Wandel lautet die Überschrift der neuen Zeit.

Ob der Computer sich das vorstellen kann?

Anfang des Jahres zitierte ich schon einmal den Nobelpreisträger Ilya Prigoginet, der nachwies, dass sich komplexe, offene Systeme, die weit vom Gleichgewicht entfernt sind, plötzlich spontan selbst organisieren und ordnen können. Statt im Chaos zu versinken, entsteht unvermittelt eine neue Form mit neuen Möglichkeiten.

Ich kann mir das nicht vorstellen, weil ich nicht so komplex denken kann. Doch glaube ich es sofort. Ich glaube sofort, dass der Mensch, der immer alles in die kleinsten Teile zerlegt, nie die Interaktionen der einzelnen Teile untereinander und also nie und das große Ganze im Blick hat, nicht der einzige Organismus mit (schlechtem) Einfluss auf die Geschicke des Planeten ist. Das Leben selbst gestaltet unser Sein im Zusammenwirken mit allem, was ist. Da kommt dann schon einmal was gänzlich Unerwartetes heraus, das unsere Logik sprengt. Da halten wir dann plötzlich Inne im Anblick des Unerwartbaren.

Die Ameise, die mich erstaunt, gestaltet mein Dasein mehr, als ich ihres.

Sterne am Himmel gestalten mein Dasein mehr, als ich ihres.

Zur Weihnachtszeit muss ich beim Stichwort „Sterne“ früher oder später über die Sterndeuter schreiben, die weisen Männer aus dem Morgenland. Sie gaben ihr Dasein in die Hand eines Sterns. Sie wussten, dass sie in einer Zeitenwende lebten. Für sie war es ein Gebot, aufzubrechen.

Wie kommt es eigentlich, dass wir uns eher den Weltuntergang, als eine Zeitenwende in eine bessere Welt hinein vorstellen können?

Wie kommt es eigentlich, dass wir immer wieder am Schlechten hängenbleiben wie eine ausgeleierte Schallplatte?

Würde uns ein hinreichend großer Computer eine bessere Zukunft berechnen, als wir sie uns vorstellen können?

Würde der Computer uns an den Raum des Unerwartbaren erinnern?

Caroline Myss schreibt: “We are destined to travel through the dark, but we always arrive at the Light. Always. That is how the holy structure of life has been scripted.”

(Unser Schicksal ist es, durch die Dunkelheit zu reisen, doch wir kommen immer beim Licht an. Immer. Das ist in der heiligen Struktur des Leben vorgesehen).

Morgen ist Wintersonnwende. Das Licht kommt wird zurückkommen. Die Weihnachtsbeleuchtung erinnert uns an das Licht.

Zuversicht pflegen. Das kommt heraus, wenn ich nun mein Hirn mit all den Unwägbarkeiten, Enttäuschungen, Anstrengungen des vergehenden Jahres füttere. Es kann gar nichts anderes herauskommen. Das ist das, was ich mir mit Hilfe des Lebens beigebracht habe.

Und der Computer? Der kommt auf 42.

Für alle, die die Geschichte nicht kennen; In der „vierbändigen Trilogie in fünf Teilen“ „Per Anhalter durch die Galaxis“, die der britische Schriftsteller Douglas Adams Ende der 70ziger, Anfang der 80ziger Jahre des letzten Jahrhunderts schrieb, ist der gesamte Planet Erde ein von hochintelligenten Mäusen betriebener Supercomputer, der den Sinn des Lebens berechnen soll.

Der Computer rechnet, was das Zeug hält. Er rechnet sehr, sehr lange. Am Ende spuckt er als  Ergebnis 42 aus. Während die Mäuse an einem besseren Programm arbeiten, freuen wir uns jetzt erst einmal auf Weihnachten und Lichter und fröhliches Lachen und bald mehr Licht.

Und nähren mit allem die Zuversicht für unsere neue Zeit.

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